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Das Folgende ist ein Ausschnitt aus einem Taiji-Tipp, der sich mit dem Schritt befasst. (In den Taiji-Tipps erlaube ich mir die Du-Form, da sie wie persönliche Privatlektionen sind.)

Die vier Phasen des Schritts

Achte dich im Alltag doch einmal darauf, wie die Leute gehen. Einfach so, auf der Straße. Sind sie zentriert? Sind sie geerdet? Sogar verwurzelt?
Du wirst sehen, daß viele Menschen nicht sehr bewußt gehen. Wenn du genauer hinschaust, siehst du vielleicht, daß das was wir normalerweise gehen nennen, vielmehr ein konstantes Fallen ist.
Der nächste Schritt ist das, was den Durchschnittsgeher daran hindert, hinzufallen.
Falls dann dieser Schritt mal doch daneben geht - durch eine glatte Eisfläche, ein Loch, eine unerwartete Stufe oder die legendäre Bananenschale, fällt der Betreffende dann auch oft hin.

Der Taiji-Schritt (und auch sonst das bewußte Gehen) ist ein bißchen anders. Schauen wir ihn etwas genauer an. Dazu möchte ich den Schritt in vier Phasen einteilen - bevor ich den Fuß hebe, der Schritt, das Absetzen und die anschließende Gewichtsverlagerung.

Bevor du den Fuß beziehungsweise das Bein anhebst, mußt du es ‚leeren'. Solange noch Gewicht darauf ist, kannst du das Bein nicht wirklich anheben. Also heißt das, das Gewicht vollständig zu verlagern. Das klingt sehr einfach. Ist es das auch? Versuche es einmal, indem du durch eine Form fließt und dich darauf achtest, vor jedem Schritt das Gewicht 100% zu verlagern - wirklich 100%! Ich bin gespannt, welche Erfahrungen du machst!
Es ist auch so, daß dies eine der besten Übungen ist, um in deinem Taiji wirklich weiter zu kommen, wenn du längere Zeit ohne Lehrer übst.
Dazu kommen natürlich die anderen Komponenten: 100% verlagern plus größtmögliche Entspannung und auch das Zentriertsein.
Eine ausgezeichnete Hilfe, um das Bein zu ‚leeren' ist folgende: Laß, wenn du das Gewicht verlagerst, das Knie des leer werdenden Beines unter dein Hüftgelenk fallen.
Das geschieht, wenn du das Bein vollständig losläßt. Die Verbindung von Knie und Hüftgelenk bildet dann eine vertikale Linie. Dann kannst du das Bein zum Schritt bewegen.

Womit wir bei der zweiten Phase sind - dem eigentlichen Schritt. Hier achten wir nicht auf das Bein, das sich bewegt, sondern auf das Bein, das alles Gewicht trägt: Achte darauf, daß das Knie des belasteten Beines in einer geraden Linie über dem Fuß bleibt. Von vorne betrachtet sollten sich Sprunggelenk, Knie und Hüftgelenk immer auf einer vertikalen Linie befinden.
Was gerne geschieht ist, daß wir, um einen größeren Schritt machen zu können, die Innenkante des Fußes belasten. Das bringt das Knie von der Verbindung zum Fußgelenk weg. Dies wiederum hat vielfältige Folgen: Das Knie wird falsch belastet. Die Energie kann nicht mehr ungehindert nach unten fallen und ungehindert aufsteigen. Das wäre ja weiter nicht so tragisch, doch eine falsche Belastung des Knies kann sich sehr ungesund auf dasselbe auswirken. Und das gilt es zu vermeiden.
Damit du beim Üben nicht immer nach unten schauen mußt, ob sich Sprunggelenk und Knie noch auf einer geraden Linie befinden, achte auf deine Aussenkante des Fußes. Belaste sie, und nicht die Innenkante. Dadurch bleibt dein Knie über dem Fuß.
Jetzt kommt vielleicht das nächste Problem - du kannst nicht mehr so weite Schritte machen, wie wenn du das Knie falsch belastest! Und da ist mein Tipp: Sinke tiefer! Je tiefer du sinkst, desto weiter der Schritt.

Phase drei unseres Schrittes in Zeitlupe ist das Aufsetzen des Fußes. Wir fallen ja dabei nicht einfach nach vorne, wie es viele Menschen im Alltag tun. Setze den Fuß so sorgsam und achtsam auf, als würdest du eine Decke auf ein schlafendes Baby legen.
Der Punkt ist hier, daß zwischen dem Aufsetzen und der Gewichtsverlagerung eine klare Trennung besteht. Setze den Fuß also auf, ohne auch nur ein bißchen Gewicht zu verlagern. Stelle dir vor du gehst auf einem gefrorenen See. Du weißt nicht, ob die Stelle, auf der du deinen Fuß aufsetzt, auch genug dicht ist...

Womit wir zu Phase vier übergehen können - der Verlagerung des Gewichtes. Auf dem gefrorenen See wirst du das Gewicht ganz allmählich verlagern, immer so, daß du deinen Fuß jederzeit wieder zurücknehmen kannst. Du bleibst also zentriert, läßt nicht plötzlich alles Gewicht in das andere Bein fallen. Dein Fuß entwickelt dabei eine ‚hörende' Qualität.
Um das Gewicht zu verlagern, mußt du es nicht etwa zuerst das belastete Bein hochbringen, um es dann das andere Bein wieder herabführen zu können. Verlagere das Gewicht doch einfach unter dem Boden durch. Du tust das mit deiner Vorstellung. Wenn du das tust, und deine Beine arbeiten viel intensiver als sonst, dann tust du es richtig!

Soviel zu den tatsächlichen Schritten. Jedem Schritt die Aufmerksamkeit zu schenken, ihn in diesen vier Phasen bewußt wahrzunehmen, kann dich in deinem Lernprozess um große Schritte weiter bringen!

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